Solons Corner

Juli 7, 2007

Krimi ohne Ende

Gespeichert unter: Deutschland, Dresden, Gesellschaft, Kultur, Politik, Sachsen — Fastien @ 6:16

Morgenpostkolumne 08.07.2007, veröffentlicht in der Dresdner Morgenpost

Heinz Eggert                                                                                                                                      

Endlich  Urlaub! Dazu gehört ein Krimi! Den schreibe ich ihn mir selber. Reizwörter für die notwendige Spannung gibt es zur Genüge. Kriminelle Netzwerke, Sumpf von Skandalen, Kinderprostitution, Korruption, Amtsmissbrauch, organisierte Kriminalität, Rotlichtmilieu. Das reicht fürs erste. Ansonsten wird nachgereicht.                                     

Handelnde Personen: Politikern, Juristen, Polizisten, Journalisten, Unternehmer, Enthüllungsautoren, Mörder, Geheimdienstagenten, gewöhnliche  Kriminelle.                                                         

Jetzt müssen Handlungsstränge verknüpft werden. Ein Geheimdienst, der nicht mehr so genau weiß, ob er noch rechtmäßig arbeitet oder nicht. Eine leitende  Geheimdienstmitarbeiterin , die mit einem Polizeiermittler, den Frust auf  unfähige West-Chefs teilt  und die gemeinsam ermitteln. Als er es nicht mehr bei der Polizei darf, wirbt sie ihn als Quelle an. Da auch ein wenig Sex beim Krimi sein muss, machen wir sie einfach zu einem  heimlichen Paar, das im Bett nicht nur Dokumente austauscht.                                                  

Ein hoher, karrieregeiler -in jeder Hinsicht- potenter  West- Jurist, der vertrauliche Dokumente an die Presse weiter gibt, um Konkurrenten zu schaden. Er weiß natürlich nicht, das auch Journalisten –manchmal- für den Geheimdienst arbeiten. Den  Juristen verbinden wir gleich mal mit ein paar Immobilienhaien, die zum gemeinsamen Vorteil zusammenarbeiten und bezahlte Freuden genießen. Auch am Stammtisch mit Politikern. Allerdings denunzieren sie sich auch gegenseitig, weil unterschiedliche Interessenlagen .So erweitert sich die Sammlung beim Geheimdienst Stück um Stück. Dann nehmen wir noch mysteriöse Todesfälle, Überfälle, Drohungen, Kindesmissbrauch  und Verleumdungen um das Entsetzen zu steigern.                                                                                      

Dann will der Datenschützer intern alles vernichten lassen, der Innenminister will die Daten intern retten. Aber vorher werden die geheimen  Akten durch die „Guten „öffentlich gemacht. Das freut einen  Enthüllungsjournalisten, der nicht immer, aber oft daneben liegt und seine Bücher verkaufen will. Journalisten, die weniger schreiben dürfen, als sie wissen, oder die mehr schreiben, als sie wissen, oder die einfach voneinander abschreiben. Hauptsache alles bleibt unübersichtlich. Jetzt kommt der nette  Innenminister ohne persönliche Feinde, voller Vertrauen in die Welt und seine eigenen Geheimdienst, ins Visier der Opposition. Wobei Vertrauen in die Welt ja immer gut ist. In der  politische Opposition brauchen wir jetzt  eine gute, gewichtige blonde ´Polit-Frau, die unerschrocken den Regierungschef  tadelt und Aufklärung will  und den  „Schmutzfink“ aus einer anderen Partei, der sich  mit verleumderischen Andeutungen  seiner eigenen Partei kraftvoll als Führer und er Öffentlichkeit  als ehrlicher Aufklärer empfehlen will.                                                                                          

Das wären die Zutaten für einen guten Krimi! Natürlich kommt die Wahrheit nicht ans Licht.Warum auch? Wenn jeder was zu verbergen hat ist Wahrheit ist doch langweilig. Oder? 

Veröffentlicht mit der freundlichen Genehmigung von Heinz Eggert, Staatsminister a.D., MdL. Sachsen 

                                                                            

Anmerkung der Redaktion vom 08.07.2007: 

lsc/pl/Affären/Korruption/Sachsen/

«Focus»: Aktenmanipulation verursachte Korruptionsaffäre in Sachsen= München/Dresden (ddp-lsc). Die sächsische Korruptionsaffäre beruht angeblich weitgehend auf Aktenmanipulationen einer Dresdner Verfassungsschutz-Beamtin. Der Verfassungsschutz ermittle intern gegen seine Mitarbeiterin Sabine H., schreibt das Nachrichtenmagazin «Focus».

Die Beamtin stehe in Verdacht, Dossiers, die auf Informationen des in Polizeikreisen umstrittenen Kriminalhauptkommissars Georg W. basierten, zusätzlich «aufgepeppt» zu haben. Sie soll ihren Vorgesetzten suggeriert haben, eine zusätzliche Quelle bestätige die Protokolle. Bei dem angeblich neutralen Informanten soll es sich aber ausgerechnet um den Polizisten W. handeln – den Autor jener Protokolle.

Dies habe der Verfassungsschutz bestätigt. Der Dresdner Oberstaatsanwalt Christian Avenarius sagte, W.s Material enthalte «nahezu keine belastbaren Anknüpfungstatsachen».In der Affäre geht es um eine Datensammlung des sächsischen Verfassungsschutzes, in der auf rund 15 000 Seiten angeblich brisantes Material über Verbindungen von Justiz- und Polizeibeamten sowie Politikern zum organisierten Verbrechen gesammelt worden sein soll. Die Vorwürfe umfassen neben illegalen Immobilienverkäufen auch Kinderprostitution. Zentren der Machenschaften sollen das Vogtland und Leipzig sein. 

15 Kommentare »

  1. Ob wohl Albrecht Buttolo, der -wenn auch nicht direkte – Amtsnachfolger von Heinz Eggert als Innenminister, als er sagte:

    „Aber die Kriminellen drohen Betroffenen, also Informanten und Ermittlern, mit Rufmord…“

    solche Artikel gemeint hat?

    Welche Aufklärung bringt dieser Artikel von Heinz Eggert? Er streut allenfalls -scheinbar völlig zufällig- das Gerücht, der gechasste OK-Ermittler des LKA hätte was mit der Dame vom LfV am laufen gehabt. Dem kann man nachgehen.

    Aber ansonsten ist der Artikel nichts als Stalking pur. Keinerlei Fakten, Aufklärer in den Dreck ziehen und diskreditieren.

    Schän, dass die Meinungsfreiheit in Deutschland für den Ex-CDU-Vize gilt. Im Parteibuch fürfte sich sowas – mal abgesehen davon, dass es wegen der Peinlichkeit nicht veröffentlicht würde – wohl niemand erlauben.

    Wer den Artikel aufmerksam liest, wird merken, dass der Artikel allenfalls Bände über den Verfasser spricht. Hoffentlich wird der ihm im nächsten Wahlkampf, der hoffentlich schon recht bald kommt, noch ausgiebig unter die Nase gerieben.

    Nu sind wir mal gespannt, ob dieser Kommentar hier auch gleich zensiert wird.

    Kommentar von Marcel — Juli 9, 2007 @ 1:30

  2. Sie müssen wissen, mit welchen Texten Sie öffentlich erscheinen wollen. Ich bin nicht Ihr Kindermädchen und muss daher auch nicht dafür sorgen – zensieren -, dass Sie sachlich in der Öffentlichkeit auftreten und werde somit Ihren Text veröffentlichen.

    Der Artikel von Heinz Eggert ist eine Kolumne. Googeln Sie einmal was das ist, dann werden Sie schnell sehen, dass eine Kolumne eine persönliche Meinung über einen Sachverhalt wiedergibt, deren Ziel nicht Aufklärung oder Informationsvermittlung ist.
    Hier wurde eine Meinung in eine „satirische Geschichte“ gepackt.

    Ich habe die Diskussion auf Ihrem Blog verfolgt und mich gewundert, dass Sie offensichtlich nicht verstanden haben, was Herr Eggert zum Ausdruck bringen wollte. Ich habe ein wenig den Eindruck anhand der auf Ihrem Blog geführten Diskussion, dass, verzeihen Sie mir bitte meinen klaren Worte, dort etwas Betriebsblindheit vorherrscht. Aber da ich, wie schon erwähnt, nicht Ihr Kindermädchen bin, ist es nicht meine Aufgabe, Ihnen die Aussage der Kolumne von Heinz Eggert zu erklären. Ich finde es schon sehr hilfsbereit von mir, dass ich mir überhaupt die Mühe machen, Sie auf die beiden genannten Punkte hinzuweisen :-)

    Kommentar von Fastien — Juli 9, 2007 @ 2:14

  3. Na Marcel, Du bist nicht zufällig der Sprecher der PDS Fraktion im Sächsischen Landtag?

    Man muß doch mal eine erfrischende Satire verkraften können.
    Oderr bist Du betroffen?

    Gruss aus Saxen

    Kommentar von saxxe — Juli 9, 2007 @ 3:19

  4. Heinz Eggert schreibt seit Jahren interessante Kolumnen. Ich fand sie
    so gut, daß ich ihn 2006 bat, sie auch selbst veröffentlichen zu
    dürfen. Sicher bin ich hierdurch etwas voreingenommen, aber ich
    denke, daß ist mir zu verzeihen.
    „Krimi ohne Ende“ macht aus meiner Sicht hervorragend auf ironische
    Art und Weise darauf aufmerksam, wie Politik und Medien eine Sache
    für sich ausschlachten können. Es ist seine persönliche Auffassung,
    die ich im Übrigen voll teile.

    Meine persönliche Auffassung zu der „Sachsenaffäre“ läßt sich darüber
    hinaus – ohne hier als „Aufklärer“ gelten oder wirken zu möchten -
    wie folgt umreisen:

    Ja es gibt Akten und ja, diese sind sehr umfangreich. Und ja, das ist
    schlimm!

    Nein, nicht Herr Buttolo wollte sie vernichten, sondern der
    Datenschutzbeauftragte. Herr Buttolo wollte und hat sie der
    Staatsanwaltschaft zugearbeitet.

    Nein, in Deutschland ist das im Gesetz verankerte Recht / Pflicht der
    „Unschuldsvermutung“ noch nicht aufgehoben, auch wenn offensichtlich
    Politiker und Journalisten gezielt Personen Schuld zuordnen, und
    hierbei herzlich wenig Rücksicht auf die „Unschuldsvermutung“ nehnmen

    Ja, die Interessenvielfalt, die in Akten stehenden Vorwürfe für weit
    mehr zu nutzen, als für eine gerichtliche Aufarbeitung, ist so groß,
    daß die Prozesse gegen die zu Belastenden allmählich eher zur
    Nebensache werden.

    Und ja, der Schaden für die Demokratie ist in jedem Fall unermeßlich,
    weil die Parteien statt auf Aufarbeitung eher auf politische
    Profilierung setzen, weil die Medien Schlagzeilen brauchen, weil
    neben Politikern, Verwaltungsführungskräften, Juristen und
    Unternehmern auch Polizisten unter einen Generalverdacht gestellt
    werden und weil die Bevölkerung dabei das Vertrauen in das System
    verliert.

    MfG. Andreas

    Kommentar von Andreas Müller — Juli 9, 2007 @ 8:53

  5. Offenkundig ist bei Marcel nicht nur der Satiredetektor defekt, er verwechselt darueber hinaus Parteibuch mit Parteizeitung, eine satirische Kolumne mit Rufmord und Meinungsfreiheit mit „Wir hauen mal drauf und ziehen den Grund an den Haaren herbei“.

    Heinz Eggert hat in seiner Kolumne Mechanismen aufgegriffen, die jeder kennt, der aufmerksamer Medienbeobachter ist. Da wird ein Verdacht zum Beweis, Vermutungen zu Fakten, Meinungsaeusserungen zu Anklagen. Noch bevor Beweise auf dem Tisch liegen, Fakten aufgeklaert sind und Anklagen erhoben werden, wird verurteilt, je deftiger desto besser. Oeffentliche Hinrichtungen am lebenden Objekt, Unschuldsvermutung in die Tonne. Sorgfaltspflicht? Beweissicherung? Gerichtsverfahren? Brauchen wir nicht, weg damit, das stoert nur beim lustvollen Draufschlagen. „Weiss“ doch jeder, dass alle, mit deren Taetigkeit ein Ober-, leitend oder gar Regierungs- verbunden ist, nur korrupte, mafioese und perverse Personen sein koennen, da kommt es auf konkrete Beweise nicht mehr an.

    Medien, die ihre Sorgfaltspflichten vorsaetzlich verletzen, Politiker, die erst urteilen und sich dann sachkundig machen, Leser/Zuschauer, die des Lesens unkundig sind und die Verurteilungsliveshow „geil“ finden. Heinz Eggert hat sie aufgespiesst, in seiner Kolumne. Der Spiegel gefaellt nicht jedem. Aber zu den Verdaechtigten, Beschuldigten, Vorverurteilten gehoeren Familien und Freunde. Und die Verdaechtigen sind Menschen. Sie alle haben ein verdammtes Recht darauf, ohne konkrete und gerichtsfeste Beweise nicht oeffentlich in den Dreck gezogen zu werden. Obwohl – der Kommentar von „Marcel“ beweist das schlagend – in den Dreck ziehen leichter ist, als abwaegend zu urteilen. Ich allerdings ziehe das Denken vor – das, und nicht blinde Aggressivitaet unterscheidet uns vom Tier.

    Thorsten Haupts

    Kommentar von Thorsten Haupts — Juli 10, 2007 @ 10:43

  6. @Andreas
    >Und ja, der Schaden für die Demokratie ist in jedem Fall unermeßlich,
    >… weil die Bevölkerung dabei das Vertrauen in das System
    >verliert.
    Das hätte von der SED zu ihren besten Zeiten nicht besser formuliert werden können.

    Die Leiche, nämlich die von Barbara Beer, die ist aber echt. Die Festplatte vom toten Walter Bullinger verschwindet spurlos und Michael Mielke bleibt verschwunden. Und mit Karlheinz Sporer und Lothar Degenkolb gibt es noch weitere mysteriöse Todesfälle. Bereits die beruflichen Tätigkeiten der Verstorbenen legen politische Zusammenhänge nahe.

    >weil die Parteien statt auf Aufarbeitung eher auf politische
    >Profilierung setzen,
    „Die Parteien“ gibt es nicht. Es geht um Personen, deren Handeln jeweils einzeln zu betrachten und zu bewerten ist. Ob eine Satire das richtige Mittel ist, um indirekt auch die Opfer von Tötungsverbrechen zu verspotten, mag jeder für sich selbst entscheiden. Heinz Eggert hat sich selbst mit diesem seinen Artikel in die Öffentlichkeit begeben – und nun muss er auch hinnehmen, wenn er für das Schreiben dieses Artikels kritisiert wird.

    >weil die Medien Schlagzeilen brauchen
    Berichtet wurde über die Todesfälle in den Medien allenfalls in Randnotizen. Über die gesellschaftlichen Hintergründe der feinen Kreise, in denen es zu solchen „merkwürdigen“ Todesfällen gekommen ist, wurde erst recht sehr wenig berichtet. Zur Arbeit der Justiz findet so gut wie gar keine Berichterstattung statt.

    >neben Politikern, Verwaltungsführungskräften, Juristen und
    >Unternehmern auch Polizisten unter einen Generalverdacht gestellt
    Dass ein Fehlverhalten in diesem Komplex vorliegt, darüber dürfte wohl Einigkeit bestehen, aber trotzdem wird niemand unter einen Generalverdacht gestellt.

    Es wird von einigen Personen allerdings sehr genau geschaut, wer sich in den gehobenen Schichten nun wie verhält. Genaues Hinschauen ist hier sicherlich gefragt. Wer erklärt sein Verhalten offen und nachvollziehbar, wer will keinen Kommentar abgeben, wer lässt welche Presseberichte verbieten und welche Medien berichten einseitig, offenkundig interessengeleitet oder gar schlicht nachweißlich falsch. Und sicherlich ist es auch wichtig zu wissen, wer mit wem wie verbunden ist, denn nur so lassen interessengeleitete Verhaltensweisen erkennen.

    Das, was jedem ALG II Bezieher zugemutet wird, nämlich, dass geschaut wird, wie er sich verhält, missfällt offenbar einigen Personen dieses hochgestellten Personenkreises, die sonst selten eine Gelegenheit auslassen, um sich in der Öffentlichkeit zu präsentieren.

    Spätestens mit der Strafanzeige gegen den Generalstaatsanwalt wegen des Verdachtes auf Strafvereitelung im Amt liegt der Verdacht öffentlich nachlesbar auf dem Tisch, dass es gravierendes Fehlverhalten innerhalb der Justiz gegeben haben könnte. Mit den Berichten zu warten, bis es rechtskräftige Verurteilungen gibt, ist sicherlich keine Lösung, da, sollten die Vorwürfe zutreffen, kaum zu erwarten ist, dass Angehörige des Justizapparate, die im Verdacht rechtswidriger Kumpaneien stehen, sich selbst oder ihre Freunde juristisch verfolgen werden.

    Doch die Medien berichten nicht sensationslüstern, sondern schweigen lieber ganz zu dem Thema. So sieht das aus, wenn die vierte Gewalt versagt.

    Kommentar von Marcel — Juli 10, 2007 @ 9:05

  7. > @Andreas
    > > Und ja, der Schaden für die Demokratie ist in jedem Fall unermeßlich,
    > > … weil die Bevölkerung dabei das Vertrauen in das System
    > > verliert.
    > Das hätte von der SED zu ihren besten Zeiten nicht besser formuliert werden können.

    Hallo, Herr Marcel Bartels, Sie sehen zwar noch recht jung aus, aber ich denke, sie können als Kompension für Ihre Jugend bei ihrem Namensvetter und noch ein paar anderen Parteifreunden sicher auch aus einem guten Fundus schöpfen, um beurteilen zu können, wie Ihre Partei vor drei Namensänderungen argumentierte.

    Der Unterschied zu der in Ihrer Erinnerung haftenden Zeit ist aber eben, wir leben heute in einer Demokratie, nicht einer Diktatur. Und entgegen früher legt nicht die Partei fest, wie mit den Vorwürfen umgegangen wird, sondern eine unabhängige Justiz.

    Was die Vorwürfe der Kriminalität angeht, die müssen geklärt werden. Ein Generalverdacht ist jedoch einfach mies und zeugt nicht von allzu großer menschlicher Größe. In einer Demokratie gilt im Gegenteil zur DDR die „Unschuldsvermutung“ – eine nicht immer ganz einfache Geschichte für Menschen mit starren Weltbildern.

    Wenn ich Herrn Eggerts Krimi hätte schreiben sollen, hätte er viel früher angefangen und bestimmte Nachwende-Firmengründungen und -Ausgründungen inbegriffen und auch diverse ABM-Gesellschaften etwas genauer auf den Prüfstand gestellt.
    Aber vielleicht tauchen auch hierzu noch Akten auf, ging ja bis fast 2000.

    Aufklärung ist so eine Sache. Wenn Die Linke ehrlich Aufklärung will, dann hätte sie beim Thema „Verfassungsschutz-Aufklärung“ angesichts der geschichtlichen Vergangenheit durchaus sensibler mit der Kandidatenauswahl umgehen können, oder?
    Das soll jetzt nicht heißen, daß Herr B. ein schlechter Mensch, Politiker oder RA oder bei anderen Ausschüssen ungeeignet für die Leitung ist, lediglich seine Vergangenheit macht ihn für diesen speziellen Ausschuss völlig unpassend. Ich selber habe mit ihm weniger zu tun gehabt, aber andere Mitstreiter im „Vorpolitischen Raum“ hatten auf anderen Gebieten durchaus fruchtbringende Zusammenarbeiten mit ihm.

    Unabhängig von der Kandidaten-Nominierung ist m.E. allerdings auch die Überschrift des Ausschusses massiv zu kritisieren, denn sie ist mit Sicherheit bereits Vor-Verurteilung pur.

    Ich persönlich bedauere das Scheitern der generellen Einberufung eines Ausschusses. Aber wie Sie sicher merken, nach meiner Meinung trägt ihre Partei einen nicht unerheblichen Anteil daran.

    Man geht in der Politik erst auf Konfrontation und holt die Keulen raus, wenn auf „diplomatischem“ Weg nichts mehr geht. Wer es umgedreht praktiziert, weiss die Antwort im Voraus und sollte danach nicht aufschreien und mit dem Finger zeigen.

    Ihre „privat-polizeilichen Ermittlungsergebnisse“ in allen Ehren, aber ich frage mich schon, woher sie ihre Erkenntnisse haben, welche Erklärungen zum Geheimnisschutz sie zwischenzeitlich in ihrem politischen Weg unterschrieben haben… und und und…

    > > weil die Parteien statt auf Aufarbeitung eher auf politische
    > > Profilierung setzen,
    > “Die Parteien” gibt es nicht. Es geht um Personen, deren Handeln jeweils einzeln zu > betrachten und zu bewerten ist. Ob eine Satire das richtige Mittel ist, um indirekt
    > auch die Opfer von Tötungsverbrechen zu verspotten, mag jeder für sich selbst
    > entscheiden.

    Also, wenn wir Wortglauberei machen, dann muß ich Sie insofern korigieren, daß es Parteien gibt .. und man im Deutschen den Artikel „die“ nicht nur als Einschränkung gebraucht – in dem Falle einer Einschränkung hätte ich das Wort „diese“ gewählt. Ich habe also, wie Herr Eggert auch, allgemein alle Parteien angesprochen. Im Übrigen, bei den Medien hat sie das „die“auch nicht gestört, oder?

    Ich glaube, sie sollten darüber hinaus insgesamt sorgfältiger lesen, vielleicht hilft es fürs Erste auch die rote Brille abzusetzen …. denn genau wie ich mit einer schwarzen Brille nicht viel sehen würde, geht es Ihnen wohl zur Zeit.
    Vorsichtig gesagt, finde ich es eine Unverschämtheit, Herrn Eggert zu unterstellen, er würde die Opfer von Tötungsverbrechen verspotten. Darüber steht kein Wort in der Kolumne.
    Sehr wohl verspottet er den Umgang von Medien, Parteien, profilierungssüchtigen Einzelpersonen usw. im Umgang mit der „Aufklärung“.

    Eine freundliche Entschuldigung Ihrerseits wäre da vielleicht angebracht.

    Ich bin im Übrigen durchaus von einigen Ihrer Parteifreunde wesentlich differenziertere Sicht- und Diskussionsweisen sowie einen weltoffeneren Umgang mit Politiksatire gewöhnt. Vielleicht lassen sie sich davon einfach einmal anstecken.

    MfG. Andreas

    Kommentar von Andreas Müller — Juli 11, 2007 @ 9:33

  8. Hallo, noch etwas Herr Marcel Bartels,
    ich finde, laufen befreit den Geist und öffnet den Blick für neue Sichtweisen.

    Deswegen jogge ich regelmäßig – höre dabei Musik, u.a. auch den nachfolgenden, hier nur als Text wiedergegebenen Song:

    Die Behauptung

    Eine Behauptung steht im Raum,
    wie kriegt man sie jetzt wieder raus?
    Wie kam sie hier herein, wir sind überrascht?
    Sie macht sich breit und drückt uns an die Wand.
    Sie ist unangenehm und wir zweifeln sie an,
    doch sie wehrt sich energisch mit aller Kraft.
    Ein Verdacht ist in diesem Raum,
    wie kriegen wir ihn wieder raus?
    Er lächelt gemein und primitiv, als er durch unsere Ohren in unsere Herzen kriecht.

    Wie kriegen wir diese Behauptung raus, wer hat sie hier eigentlich aufgestellt?
    War es Zufall oder Absicht oder kam sie von selbst?
    Darf man so was noch fragen, ist das noch legal?
    Sicher ist sie gelogen, doch jetzt ist sie da:
    Eine Behauptung ist im Raum.
    Sie raubt uns den Atem, wir ringen nach Luft,
    unerbittlich drückt sie uns die Kehle zu.

    Eine Beschuldigung ist im Raum,
    wer wird ihr schon glauben, ich glaub ihr nicht.
    Ich muss von ihr kotzen, weil mir übel ist.
    Es ist die Möglichkeit, die mich so trifft.
    Eine Beschuldigung ist im Raum,
    sie kam aus dem Dunkeln, jetzt ist sie im Licht.
    Wir stehen da und sind mit Dreck bespritzt,
    diese Verleumdung, diese Täuschung, diese Lüge hier im Raum.
    Sie zerstört uns alle, Schritt für Schritt.
    Sie ist Gift für dich, sie ist Gift für mich.
    Sie ist Gift.
    Tote Hosen / Album „Zurück zu Glück“

    Ist zwar nicht für Sachsen geschrieben, aber sagt sehr viel über den Umgang mit unbewiesenen Aussagen, Behauptungen und Vorverurteilungen aus.

    MfG. Andreas

    Kommentar von Andreas Müller — Juli 11, 2007 @ 9:52

  9. Wenn ich die zweite Meinungsaeusserung von Marcel Bartels fuer mich mal zusammenfasse, dann kommt dabei folgendes raus:

    Da die Justiz korrupt und verschwaegert ist, hat die Oeffentlichkeit ein Recht auf Verurteilung aufgrund von unvollstaendigen Indizien
    Fuer diese Verurteilng ist in erster Linie wichtig, wie professionell ein in der Oeffentlichkeit Beschuldigter mit den Medien umgeht – je unprofessioneller, desto verdaechtiger

    Angesichts dieser Meinungsaeusserung plaediere ich dringend fuer die Wiedereinfuehrung der Selbstjustiz (haengt das Schwein, er ist ein Fremder) und des Duellrechtes, damit die Beschuldigten wenigstens die Chance erhalten, den Verdaechtigenstatus mit den Verdaechtigern persoenlich „auszudiskutieren“. Ohne diese beiden Massnahmen plaediert Herr B. fuer oeffentliches Schlachten ohne Beweise, ohne effektive Moeglichkeiten der Gegenwehr und ohne Gefahr fuer die Schlaechter. Ich hoffe sehr, Marcel B. befindet sich bald selbst einmal in der Lage, oeffentlich seine Unschuld (!) beweisen zu muessen …

    Thorsten Haupts

    Kommentar von Thorsten Haupts — Juli 11, 2007 @ 10:31

  10. @Andreas
    >wie Ihre Partei vor drei Namensänderungen argumentierte.
    Leider daneben. Zeigt aber, wie wenig es sich lohnt, auf den Unfug überhaupt sachlich einzugehen. Passt bestens zum Artikel von Heinz Eggert.

    Mal so ganz nebenbei, menschlich kann ich es gut verstehen, wenn jemand publizistisch Rache an jemandem übt, der – oder die – ihn – wenn es denn so gewesen sein sollte – früher mal in Schwierigkeiten gebracht hat. Das ändert allerdings nichts daran, dass man von einem Politiker ein anderes Verhalten erwarten darf.

    @Thorsten
    Die Öffentlichkeit hat ein Recht auf Information über wesentliche politische Vorgänge in Politik, Justiz und Verwaltung. Dieses Recht auf Information auch in Detailfragen sicherzustellen, ist umso dringlicher, als dass Teile von Politik, Justiz und Verwaltung selbst in Verdacht stehen – siehe als Beweis dafür beispielsweise die oben angeführte Meldung des Focus -, nicht richtig gehandelt zu haben.

    Das Plädoyer für die Einführung der Selbstjustiz erscheint als Scherz reichlich daneben. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es bei den Vorwürfen gerade um den Verdacht geht, dass Menschen wie Barbara Beer offenbar durch Tötungsverbrechen zum Schweigen gebracht wurden und auch andere Menschen aussagen, sie seien mit Gewalt bedroht worden, falls sie sagen, was sie wissen, dann könnte man fast meinen, das sei eine Drohung.

    Kommentar von Marcel — Juli 13, 2007 @ 6:54

  11. @Marcel

    Auf Ihrem Blog sind unbewiesene Gerüchte das Gesprächsthema. Es ist schlimm genug, dass es überhaupt Intrigen gibt. Gebe es aber nicht Personen wie Sie, die dankbar alles aufgreifen, was irgend jemand meint in die Welt setzen zu müssen, würden Intrigen weit weniger erfolgreich verlaufen können. Sie verwechseln Vorwürfe und Behauptungen mit Fakten und gehören damit genau zu den Leuten, welche man braucht, um Gerüchte verbreiten zu lassen.

    Das mit der Selbstjustiz von Herrn Haupts, ist leider kein Scherz. Denn nichts anderes betreiben Sie und dies anhand von Behauptungen, die Sie aufgriffen ohne auf Fakten zu warten. Das hatten wir im Mittelalter. Da wurde gebrüllt, die ist eine Hexe und der Mob stellte die Frau auf den Scheiterhaufen. Dank des www ist es heute für jedermann leicht möglich, unbewiesene, ja selbst unbeweisbare Behauptungen in den Raum zu stellen und Menschen zu beschuldigen, ohne das diese eine Chance haben sich zu verteidigen. Auch wenn dadurch Menschen nicht körperlich verbrannt werden können, verbrannt wird der ein oder andere dennoch ohne sich wehren zu können.

    Dass Sie der Kolumne Anhaltspunkte für Rache entnehmen können, läßt nur weitere Rückschlüsse auf Ihre Denke zu.

    Daher, ich schließe mich Herrn Haupts an und es bleibt nur zu wünschen, dass der Dreck, den Sie auf andere schmeißen, nicht wieder zu Ihnen zurück fliegt und Sie irgend wann selbst darstehen und beweisen müssen, dass Sie unschuldig sind.

    Kommentar von Fastien — Juli 13, 2007 @ 7:14

  12. @Marcel Bartel (Mein-Parteibuch.com)
    > @Andreas
    > >wie Ihre Partei vor drei Namensänderungen argumentierte.
    > Leider daneben.
    Wieso, hies die SED nicht plötzlich PDS, dann PDS/Die Linke und jetzt Die Linke … nach Adam Ries sind das 3 Namensänderungen, oder habe ich einen vergessen?

    > Zeigt aber, wie wenig es sich lohnt, auf den Unfug überhaupt sachlich
    > einzugehen.
    Wenn Sie einen Satz, den Sie wahrscheinlich nicht verstanden haben, mit einem „dummen“ Spruch kommentieren, erübrigt sich eigentlich eine Diskussion danach: „wo sich was nicht lohnt.“ Sachlich war das jedenfalls nicht. Ich hatte mir aber trotzdem Mühe gegeben, Sie ernst zu nehmen, und Ihnen zu antworten.

    > Passt bestens zum Artikel von Heinz Eggert.
    Ich freue mich, wenn es zum Artikel von Heinz Eggert passt. Da er gut schreibt, ehrt mich das glatt auch ein bischen.
    Davon abgesehen, wer Retour nicht verträgt, sollte nicht treten.

    > Mal so ganz nebenbei, menschlich kann ich es gut verstehen, wenn jemand
    > publizistisch Rache an jemandem übt, der – oder die – ihn – wenn es denn so
    > gewesen sein sollte – früher mal in Schwierigkeiten gebracht hat. Das ändert
    > allerdings nichts daran, dass man von einem Politiker ein anderes Verhalten
    > erwarten darf.
    Ich kann zwar nicht erkennen, wer an wem publizistisch Rache genommen hat, aber ich glaube, daß ist Ihrerseits auch nicht wirklich beabsichtigt. Der Vorwurf im Raum .. das kommt immer erst einmal gut. Wenn dann keiner weiß, worum es geht, noch besser! Dann kann es auch keiner widerlegen.

    In erster Linie hat die Bevölkerung ein Recht, daß, insofern tatsächlich Straftaten begangen wurden, diese schnell – juristisch verwertbar – aufgeklärt, juristisch sauber verhandelt und mit Urteilen versehen werden. Woher sie in diesem Zusammenhang jetzt eine rechtliche Pflicht zur Information der Öffentlichkeit nehmen, ist mir ein Rätsel. Bei Ermittlungen besteht Verdunklungsgefahr. Normal aber wird die beim Täter nicht wie Ihrerseits beim Ermittler gesehen. Deswegen und aus anderen, nicht zuletzt bürgerrechtlichen Vorgaben informiert man über laufende Verfahren kaum, schon gar nicht die breite Öffentlichkeit.
    Der Verfassungsschutz informiert sein parlarmentarisches Kontrollgremium und i.d.F. die Staatsanwaltschaft … so sind die Informationsabläufe …

    Und noch einmal, sollte etwas vertuscht worden sein … wohl gemerkt sollte!!!! – dann ist das genauso juristisch und strafrechtlich aufzuarbeiten!
    Und ja … ich bin auch für einen Untersuchungsausschuss, aber mit einem etwas historisch unbelasteteren Vorsitzenden von den Linken, einer Überschrift ohne Vorverurteilung und einer Aufgabenstellung entsprechend den Gesetzlichkeiten. .. und dieser Ausschuss sollte möglichst bald kommen, eh noch mehr derartige Verschwörungstheorien, Vorverurteilungen und Schuldzuweisungen verbreitet werden können.

    Andreas Müller

    Kommentar von Andreas Müller — Juli 13, 2007 @ 7:34

  13. Hallo, noch eine kleine aber notwendige Korrektur zu meinem Posting:

    Nach dem Vorposting: „… Na Marcel, Du bist nicht zufällig der Sprecher der PDS Fraktion im Sächsischen Landtag? …“ und dem Blick auf http://www.mein-parteibuch.de war ich davon ausgegangen, daß Herr Macel B. Mitglied der Partei „Die Linke“ ist.

    Nach weiterer Beschäftigung mit dieser Website habe ich feststellen müssen, daß ich hier falsch liege.

    Herr Marcel B. ist nach Ausführung auf der „Vorgänger-Website“ http://www.mein-parteibuch.de offensichtlich Mitglied der SPD.

    Diese „Vorgänger-Website“ hat er aber nach eigenen Angaben aus folgenden Gründen eingestellt:
    „Durch die Erfahrungen mit meiner Webseite bin ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass öffentliches Engagement von deutschen Politikern nur solange erwünscht ist, wie Duckmäuser den in den von ihnen kontrollierten Massenmedien verbreiteten Unfug nachplappern. Ebenso bin ich zwischenzeitlich davon überzeugt, dass öffentliches Gehör findende Meinungsäußerungen von vielen Politikern und einigen diesen Politikern nahestehenden Richtern und anderen Juristen nicht erwünscht sind, sondern als Gefahr der Aufdeckung von Straftaten und anderem Fehlverhalten ebenso konsequent wie listenreich bekämpft werden.
    Mein grundgesetzlich garantiertes Recht auf Meinungsfreiheit ist in Deutschland offensichtlich nicht das Papier Wert ist, auf dem es gedruckt ist. Es ist absehbar, dass ich für die weitere Veröffentlichung meiner Rechercheergebnisse und meiner Meinung unter meinem eigenen Namen unter Missbrauch der Gerichte zumindest finanziell ruiniert oder gar ins Gefängnis gesperrt würde.
    Nachdem ich in den letzten Tagen mit vier Abmahnungen belästigt worden bin und vom Landgericht Hamburg meine Verpflichtung zur Zahlung von mehr als 500 Euro “Anwaltskosten” für eine einstweilige Verfügung, die mir untersagt, ein Anwaltsschreiben zu veröffentlichen, bestätigt wurde, beabsichtige ich nun, keine neuen kritischen Beiträge auf meiner Webseite Mein-Parteibuch.de mehr zu veröffentlichen. ….“

    Ich bitte den Irrtum zu entschuldigen.

    Gleichzeitig möchte ich der Form halber darauf hinweisen, daß ich mit der Zuordnung der Mitgliedschaft der Partei „Die Linke“ keine Zuordnung von Kritik verbunden hatte, nur Verwunderung über das aus meiner Sicht völlig unpassende Statement mit der SED seitens Herrn Marcel.B..

    Andreas Müller

    Kommentar von Andreas Müller — Juli 15, 2007 @ 9:30

  14. @Marcel
    > menschlich kann ich es gut verstehen, wenn jemand Rache an jemandem uebt

    Das ehrt Sie aber, mein Junge … Wenn man mal davon absieht, dass Ihr Verstaendnis mit dem Beitrag von Eggert genau nichts zu tun hat – Sie haben immer noch nicht verstanden, was eine Satire ist.

    > Das Plaedoyer fuer die Einfuehrung der Selbstjustiz … koennte man fast meinen, das sei eine Drohung

    Dass Sie unter Verfolgungswahn leiden, muss ja nicht heissen, dass Sie nicht verfolgt werden … Psssst – haben Sie schon den grauen Lieferwagen vor Ihrer Tuer gesehen? Darin sitzen SIE. SIE vergreifen sich naemlich besonders gerne an Geruechteverbreitern, Verleumdern, Verschwoerungs“aufdeckern“ …

    TH

    Kommentar von Thorsten Haupts — Juli 16, 2007 @ 12:55


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